Das Ding ausm Sumpf

Fr. 03.09. um 17:30 Uhr, Draussen-Bühne

HipHop für Leute, die keinen HipHop hören

„Als würden Freundeskreis Tracks von Curse covern, als jammten Marteria und Käptn Peng an einer Strandbar, oder als sei dieses "Ding ausm Sumpf der Gesellschaft" vielleicht Teil jener Rap-Reformation, nach der dieses Land schon so lange lechzt“, so beginnt das Reeperbahn Festival seine Vorstellung von Das Ding ausm Sumpf. Aber wer ist dieses Ding ausm Sumpf?

Stefan Mühlbauer hat erst Operngesang studiert, dann VWL, dort auch seinen Doktor gemacht, Preis gekrönt, und anschließend den Aufsichtsratsvorsitz bei einem Maschinenbauunternehmen übernommen, alles klar? Jetzt rappt er über die Sinnlosigkeit einer kapitalgedeckten Welt, den ganz normalen Wahnsinn zwischen neun und fünf, die Leere eines Lebens, das immer mehr will – und wie Mensch sich all dem erfolgreich entzieht. Des Sumpfdings Texte sind nämlich nicht nur Anklage, sondern auch Ansatz für Lösungen, Aufruf zum Aufbruch, dialektisch unterwandert von jeder Menge bissiger Ironie, fetttriefenden Beats und bittersüßen Gänsehautgrooves.

„Im weitesten Sinne HipHop, wie man ihn selten findet: versponnen und klug getextet und im Sound dicht und doch leicht“ meinte die Süddeutsche Zeitung. Andere nennen es „HipHop für Leute die keinen HipHop hören“. Die Puls-Redaktion des bayrischen Rundfunks schwärmt „intelligente Texte und fette Beats“.
Das Ding ausm Sumpf erhielt 2018 den bayrischen Kulturpreis, supportete 2019 u.a. Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Das Lumpenpack, Fünf Sterne Deluxe und Fatoni, und spielte auf Festivals, wie dem Open Flair oder Reeperbahn Festival.
Außerdem ist Das Ding ausm Sumpf Teil der Fritztöne von Fritz Kola, Mitglied der Phase II von BY-on und wird für sein kommendes Album „kränk“ von der Initiative Musik gefördert. Nun soll mit „kränk“ der nächste Schritt gemacht werden. Zusammen mit Produzenten wie Amadeus Gregor Böhm (Elektrik Kezy Mezy), Cop Dickie (Dongkong) und Benedikt Maile (Eau Rouge) findet es darauf musikalische Türen für die Geschichten in sich, um sie da rauszulassen, ausm Sumpf in seiner Brust.
„Ein Rundum-sorglos-Paket im deutschen Hip-Hop, das keiner kommen sah“, wie das Reeperbahn Festival, Deutschlands wichtigste Musikmesse für Newcomer, meinte. Darauf wird es auch Lemur, früher bekannt als einer der beiden von Herr von Grau, aus dem Hause Kreismusik zu hören geben. Neben einer eigenen Tour soll es auch 25 Konzerte als Support von „Das Lumpenpack“ in der ganzen BRD geben.

Aber was macht ein Musiker, wenn die Corona Pandemie alle seine Pläne pulverisiert? Wenn er statt mit dem Lumpenpack auf große Deutschland-Tour zu gehen, Konzerte im Fahrstuhl oder im Auto fürs Internet gibt?
Wenn sein Album am 6.3. auf die Welt kam und am 11.3. das Land in den Lockdown ging? Aufgeben? Endlich was vernünftiges arbeiten? Hartz 4 beantragen?
In diesem Fall ist die Antwort kurz und knapp: geile Fans haben. Nur so lässt sich der neueste Release ausm Sumpf erklären. Hier haben sich zwei junge Männer aus Stuttgart und München spontan dazu entschlossen, ein Musikvideo für einen Song vom Ding zu machen. Sie wählten ihren Lieblingssong „Ja, ja redet nur“, weil sie die Message des Songs überzeugt: Nicht immer auf alle anderen zu hören, nicht immer darüber zu reden, was andere von einem denken und ob man den Ansprüchen der anderen genügt. Das hindere nur „das wahre Ich nach außen tragen zu können“, so die Jungs. Als das Video dann fertig war, haben sie das großartige Animationsvideo dann einfach an das Ding geschickt, welches aus allen Wolken fiel. Begeistert und berührt. So geht Zusammenhalt.

davor: Adrian Millarr
danach: Bob RossEffect